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Verlorene Gewissheiten

Kulturen der Evidenz


Die IFK_Forschungsschwerpunkte sollen das wissenschaftliche Profil des IFK im Wege innovativer Themen stärken und auf die wissenschaftliche Arbeit und Debatte der GastwissenschaftlerInnen fokussieren.

Kulturen der Evidenz. Die Wirklichkeit der Kulturwissenschaften
Akademisches Jahr 2011-2012


In den Kulturwissenschaften herrscht Einigkeit darüber, dass der Eindruck von "Unmittelbarkeit" nur so lange besteht, solange kein Wissen über die Inszenierungsbedingungen der Phänomene, die soziale Codierung der eigenen Wahrnehmung und die mediale bzw. technische Zurichtung der Dinge vorliegt. Die Leistungen dieser Aufklärungsarbeit in den beiden letzten Jahrzehnten sind unbestreitbar. Die Forschungen thematisieren Bildwelten des Wissens, die kulturelle Konstruktion der Geschlechterdifferenz und andere rhetorische Schauplätze der Evidenz. Die Erforschung des Eindringens der Medialität in die Ordnung der Dinge führte zu der Erkenntnis der narrativen Struktur der Historiografie, zur Entdeckung von Inszenierungen der Leidenschaft, die in kulturellen Archiven gespeichert sind, oder zur Entzifferung der technischen Kodierung von Bildern. Allerdings zeichnet sich seit einigen Jahren ein Perspektivenwechsel ab. Denn die Aufmerksamkeit für die Zeichenprozesse und die sprachliche Verfasstheit von Wissensordnungen führte dazu, dass die Widerständigkeit der Gegenstände aus dem Blickfeld geriet.

In der zeitgenössischen Wissenschaftsforschung geht man mittlerweile davon aus, dass die exakten Wissenschaften zwar ihre Gegenstände konstruieren, aber auch der Naturwissenschafter nicht Herr des Spiels ist. Er macht zwar seine Objekte, bleibt aber auch in der Welt seiner Objekte gefangen. Seine Praktiken der Evidenzerzeugung arbeiten mit Medien (Diagramme, Bilder, Formeln, Texte etc.), diese können aber nicht isoliert von den Praxisräumen der Labors und von Experimentalsituationen zum Gegenstand rein medialer Untersuchung werden.

Die Vermutung, dass die Gegenstände der Wissenschaften sowohl konstruiert als auch daseiend, unvermittelt und vermittelt, robust und fragil, künstlich und "natürlich" sind, berührt ein gemeinsames Erkenntnisinteresse von Wissenschaftsforschung und Kulturwissenschaften. Beide scheinen nun vor der Herausforderung zu stehen, ohne Preisgabe der Evidenzskepsis den Blick für die Eigenlogik der Dinge, für die Handlungsfelder, in die sie eingebettet sind, und für die Praxisräume, in denen formale, mediale und diskursive Erkenntnisoperationen durchgeführt werden, zu schärfen. Die Errungenschaften des "linguistic turn" und des Konstruktivismus sollen nicht unter dem Vorzeichen eines naiven postsemiotischen Zugangs ad acta gelegt werden. Folgende Themen können u. a. im Rahmen des Schwerpunkts "Kulturen der Evidenz" bearbeitet werden:

  • Das Verhältnis von philosophischem, wissenschaftlichem und forensischem Beweis
  • Evidenz in der Rechtssprechung (Medien, Diskurse, Bilder)
  • Evidenzerzeugung in sozialen Ritualen
  • Evidenz in politischen Prozessen (Wahrnehmung, Entscheidung)
  • Phänomenologie und Neurophysiologie der Wahrnehmung
  • Anthropologische Voraussetzungen kulturellen Wissens
  • Evidenz im Zeitalter des digitalen Editing von Bildern und Tönen
  • Bilderwelten sozialen Wissens, grafische Repräsentation, Karten und Statistiken

Das IFK ist nicht an ausschließlich theoretisch oder empirisch ausgerichteten Anträgen interessiert, sondern an Projektformulierungen, die konzise empirische Forschungen mit umsichtiger theoretischer Reflexion verbinden. Interdisziplinär konzipierte Einreichungen, die eine klar formulierte Fragestellung beinhalten sowie eine exzellente Kenntnis der relevanten Disziplinen und Forschungsansätze demonstrieren, haben die besten Chancen, durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des IFK positiv beschieden zu werden.

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